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Archäologisches Museum der WWU Münster Sammlung der Öllampen [384]

Lesender Affe

Lesender Affe (Archäologisches Museum der WWU Münster CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Archäologisches Museum der WWU Münster (CC BY-NC-SA)

Description

Dieser fragmentarisch erhaltene, figürlich gestaltete Lampenkörper zeigt die Figur eines hockenden Affen, der mit einem Mantel bekleidet ist und eine geöffnete Schriftrolle hält.
Einige Affenarten (hier handelt es sich um einen Pavian) sind im antiken Mittelmeerraum als exotische Haustiere beliebt und dienen vor allem beim Symposion (dem Gelage), auf der Straße und auch im Circus der Belustigung.
Verblüffend wirkt dabei insbesondere ihre Fähigkeit, menschliches Verhalten auf eine komische, skurril wirkende Weise zu imitieren. Sie gelten deshalb als eine Art lebende Parodie auf den Menschen.
Hier wird also das Lesen buchstäblich "nachgeäfft". Der Affe erscheint als ein natürlicher Spaßmacher, kann aber zugleich auch als eine Spitze auf Gelehrte angesehen werden. So gibt es noch weitere derartige Terrakottafiguren, die z. B. die Aufschrift "Sokrates" tragen.
In Ägypten galt der Pavian traditionell als heiliges Tier des Thot (für die Griechen: Hermes-Thot), dem Gott des Schreibens und Berechnens (s. Link). Dort werden Affen häufig als Lesende oder Schreibende dargestellt, in ihrer eigentlichen Rolle als gelehrte Begleiter und "Sekretäre" des Gottes. Auf die Römer muss dieses Bild allerdings einen witzigen Eindruck machen, so dass sie den urpsrünglichen Darstellungstypus übernehmen, diesen aber eher als humorvoll verstehen.
Auf der Buchrolle befindet sich eine Aufschrift, die den Witz der Abbildung noch erweitert: Hier ist das griechische Wort "Ephaloppinax", zu Deutsch: "Der, der auf den Teller springt", zu lesen. Dabei handelt es sich um eine Bezeichnung für sog. Parasiten, d.h. Tischgenossen, die den Gastgeber eines Gelages mit Witzen und Schmeichelein unterhalten und als Gegenleistung dafür kostenlos mit Essen und Trinken versorgt werden. Somit machen sie sich sprichwörtlich "zum Affen", denn auch dieser kann sich ebenso als "Tellerspringer" über die Speisen hermachen und dadurch die Anwesenden belustigen.
Neben dem erheiternden Effekt haben solche grotesken Bildnisse eine apotropäische (übelabwehrende) Funktion.
Derartige Lampen mit figürlichen Henkeln stammen ihrer Herstellungstechnik zufolge aus der kleinasiatischen Hafenstadt Knidos, einem in der römischen Kaiserzeit bedeutenden Produktionszentrum für Keramik. Aus zeitgenössischen Reiseberichten lässt sich entnehmen, dass Knidos besonders für komische und erotisch-anzügliche Tonsouvenirs bekannt ist.

Material / Technique

Ton

Measurements ...

H: 7, 55 cm; B: 5, 68 cm

Created ...
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Literature ...

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Tags

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[Last update: 2015/11/02]

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