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Stadtmuseum Hagen [Hagener Stücke]. 111 Objekte aus dem Stadtmuseum [2017/8]

Westfälische Stollentruhe

Westfälische Stollentruhe (Stadtmuseum Hagen RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Hagen / Heike Wippermann (RR-R)

Description

Bis weit in das 15. Jahrhundert waren Truhen das wichtigste Gebrauchsmöbel zur Aufbewahrung von Bekleidung, Nahrungsmitteln und anderen Gegenständen eines Haushalts. Sie dienten auch zur Sicherung von wertvollen Gütern, Dokumenten und Archivgut. In der Frühen Neuzeit lösten Schränke nach und nach die Truhen ab. Das Stadtmuseum besitzt eine Sammlung von mehr als 30 Truhen. Zu dem 1934 bis 1941 angelegten Bestand gehören auch die vorgestellte Frontstollentruhe, eine aus dem früheren Kloster und Stift in Elsey stammende Standstollentruhe aus dem späten 15. Jahrhundert und eine spätgotische Faltwerktruhe aus der Zeit um 1520.
Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit gab es verschiedene Truhenformen. Front- und Standstollentruhen zählen dabei zu den frühen Typen. Als Frontstollentruhen werden die auf frontseitige Pfosten – althochdeutsch Stollo – stehenden Truhen bezeichnet. Das tragende Gerüst besteht aus vier aufrechtstehenden Bohlen. An ihnen sind die Querbretter der Längs- und Seitenwände befestigt. Umlaufende Eisenbänder verstärken die Konstruktion. Wegen des hohen Gewichts und der großen Ausmaße ist eine solche Stollentruhe kein einfach zu transportierendes Möbelstück.
Die Frontstollentruhe im Stadtmuseum wurde aus bis zu vier Zentimeter starken, sehr harten Eichenbohlen gefertigt. Auf die gezapften und genagelten Vorder-, Rück- und Seitenwände sowie auf den Deckel sind mit rundköpfigen Eisennägeln vertikale und horizontale Eisenbänder geschlagen. Die Endstücke der Eisenbänder tragen geschmiedete Lilien, ein im Spätmittelalter bevorzugtes Ornament. Im Inneren der Truhe finden sich Aussparungen für zwei Beiladen. Die nur wenig gekürzten Stollenfüße an der Frontseite zeigen gotische Maßwerkschnitzerei mit Lilien und Rosetten. Das „Schmetterlingsschloss“ besitzt als Breitlinien ausgeformte Spitzen, wie es in dieser Form beispielsweise für das Münsterland belegt ist. Unter dem Schlüsselfang verbreitert sich das Eisenband zu einer punzierten, mehrfach durchbrochenen Schürze. Das mit Rotleder hinterlegte Blattdekor der Schürze zeigt Anklänge an die Renaissance. Die Ausführung der Frontstollentruhe und die Datierung um 1525 entsprechen mehreren auch mit Hilfe der Dendrochronologie datierten Vergleichsstücken aus Westfalen.
In ihrem Aufbau und der Ausführung handelt es sich um eine typisch westfälische Stollentruhe. Die gerade einmal 40 aus Westfalen bekannten Stollentruhen waren vor allem in Kirchen, Klöstern, Stiften und Adelssitzen, aber auch im ländlichen Bereich verortet. Die Frontstollentruhe wurde dem damaligen Heimatmuseum in Hagen um 1933 von dem Verleger und Major a. D. Adolf Deutelmoser geschenkt. Nähere Angaben zu ihrer Provenienz machte der Spender anscheinend nicht.
Deutelmoser (*1882, †~1955) gehörte im Ersten Weltkrieg als Major und Generalstabs-Offizier der 27. (Württembergischen) Infanterie-Division an; 1925 veröffentlichte er eine viel beachtete Kriegschronik dieser Einheit. Ab 1922 war er in seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen, seit 1930 in Hagen als Verleger und Druckereibesitzer tätig. 1934 beschäftigte ihn die Schrauben- und Mutternfabrik Funcke & Hueck als Prokurist. Nach der Wiederaufrüstung der Wehrmacht findet sich der damals 55-jährige Deutelmoser 1937 als Oberstleutnant im Stab der für Musterungen und Einziehungen zuständigen Wehrersatz-Inspektion I in Münster. 1941 wurde er dort zum Oberst befördert.

Andreas Korthals

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Best. M 707, Nr. 255 (NL Adolf Deutelmoser).

Material / Technique

Eichenholz & Eisen / geschmiedet

Measurements ...

H 94 cm; B 206 cm; T 71 cm

Relation to persons or bodies ...

Literature ...

Tags

[Last update: 2018/05/29]

Usage and citation

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