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Stadtmuseum Hagen [Hagener Stücke]. 111 Objekte aus dem Stadtmuseum [2017/36]

Druckstöcke für Notgeld der Stadt Haspe

Druckstöcke für Notgeld der Stadt Haspe (Stadtmuseum Hagen RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Hagen / Heike Wippermann (RR-R)

Description

Im Bestand des Stadtmuseums sind zahlreiche Druckstöcke für Geldgutscheine der Stadt Haspe überliefert. Sie bestehen aus einem Holzsockel mit einer verkupferten Zinkplatte als Klischee. Als Motive sind auf der Vorderseite der 1910 fertiggestellte Kaiser-Friedrich-Turm (50 Pfennig), Friedrich Harkort und das Haus Harkorten (10 Mark), die 1904 eröffnete Hasper Talsperre (5 Mark) und das 1916 in Haspe eingeweihte Kriegswahrzeichen „Eiserne Tür“ (20 Mark) zu sehen. Die Rückseite trägt das Hasper Stadtwappen, den Nennwert, das Ausgabedatum und die Laufzeit.
Auf Vorschlag des städtischen Kriegsausschusses beschlossen die Stadtverordneten am 4. November 1918, wenige Tage vor dem Waffenstillstand, die Ausgabe von Kriegsnotgeld. Die Notgeldserie wurde am 1. Dezember 1918 durch den Bürgermeister Georg Frank gezeichnet. Die Einlösung durch die Stadtkasse sollte bis spätestens zum 1. Februar 1919 in den Geschäftsstellen der Lokalzeitungen erfolgen; tatsächlich endete die Einlösung am 1. März 1919. Hergestellt wurden die Scheine unter städtischer Aufsicht in der Druckerei Gottfried Kannengießer, Verleger und Herausgeber der Hasper Zeitung. Vermutlich hatte die Druckerei auch die Druckstöcke und Klischees hergestellt. Nach dem Druck der Scheine von 50 Pfennig (20.000 Stück), 5 Mark (28.000), 10 Mark (27.000) und 20 Mark (30.000) wurden die Druckstöcke im Kellergewölbe der Stadtsparkasse aufbewahrt. Der unbekannte Entwerfer der Vorlagen erhielt ein Honorar von 150 Mark. Die gesamten Herstellungskosten betrugen 9.000 Mark. Es war das erste nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Raum Hagen herausgegebene Notgeld. Erst ab 1922 gaben die Städte Haspe, Hohenlimburg und Hagen wieder eigenes Notgeld heraus.
Die Druckstöcke und die im Stadtarchiv überlieferten Gutscheine aus Haspe verweisen auf die Finanz- und Wirtschaftspolitik während der Revolutionszeit 1918/19. Bereits in den Kriegsjahren grassierte eine Inflation. Sie erreichte im November 1918 einen ersten Höhepunkt. Seit 1915 gaben Unternehmen und Städte im Deutschen Reich eigenes Notgeld bzw. Wertmarken heraus. Die Einsparung von Metall führte zur Verknappung von Münzgeld. Daraufhin kam mehr und mehr Papiergeld in den Umlauf, was die Inflation befeuerte.
Ab Herbst 1918 erlaubte die Reichsbank den Kommunen, eigenes Papiergeld und geldwerte Gutscheine zu drucken. Sie besaßen zunächst kleine Nominale von Pfennig-Beträgen bis zu 20 Mark, später auch größere Werte bis 100 Mark. Die aufwendige künstlerische Gestaltung, wie bei den Hasper Geldscheinen, machte sie zu begehrten Sammlerstücken. Für die Kommunen bedeutete der Sammlerwert zusätzliche Einnahmen, sodass eigene Ausgaben diesen Markt befriedigen sollten.
Bereits im Februar 1919 verbot die Reichsbank die Herausgabe von städtischen Großgeldscheinen. Im Juli 1922 wurde die Ausgabe von neuem Notgeld verboten, allerdings schon kurz darauf wieder zurückgenommen. Zu dieser Zeit befand sich die Inflation auf einem Höhenflug, der im folgenden Jahr den Zenit erreichte. Im Sommer 1923 kamen schließlich, auch durch die Stadt Haspe, Millionen-, Milliarden- und Billionenscheine in den Umlauf. Nach der Währungsreform im November des Jahres wurde das Notgeld der Hyperinflation eingezogen. Die Einführung der Rentenmark stabilisierte die Finanzlage, 1924 erfolgte die Umstellung auf die Reichsmark.

Ralf Blank

Quelle: StadtA Hagen, Best. Hagen 1, Nr. 7653, Best. Haspe.

Material / Technique

Holz & Magnesium & Kupfer

Measurements ...

H 2,4 cm; B 13,7 cm; T 8,5 cm (Objekt im Bild unten)

Created ...
... who:
... when
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Literature ...

Tags

[Last update: 2018/06/23]

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