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Stadtmuseum Hagen [Hagener Stücke]. 111 Objekte aus dem Stadtmuseum [2017/59]

Hellebarde des letzten Nachtwächters in Oege

Hellebarde des letzten Nachtwächters in Oege (Stadtmuseum Hagen RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Hagen / Heike Wippermann (RR-R)

Description

Die Hellebarde wird dem letzten Nachtwächter im Hohenlimburger Stadtteil Oege, Carl Friedrich Moritz Ostermann, zugeschrieben. Der 1842 geborene Ostermann war zweimal verheiratet und hatte mindestens fünf Kinder, drei verstarben im Kindesalter. Bei seiner zweiten Hochzeit 1876 wurde er in den Unterlagen des Standesamts als Nachtwächter, bei seinem Tod 1905 als Vollziehungsbeamter a. D. bezeichnet.
Auf der Oberfläche der Hellebarde sind zahlreiche Rostnarben erkennbar. Das Blatt wurde mehrfach gereinigt und nachgeschliffen, Herstellermarken sind nicht zu erkennen. Die Hellebarde gehört zumindest in das 18. Jahrhundert. Von ihrer Form scheint sie einer deutschen Hellebarde aus dem 15. bis 17. Jahrhundert nachempfunden zu sein. Allerdings spricht die Ausführung gegen eine Verwendung als Kriegswaffe.
Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand unterhalb des Schlosses Hohenlimburg eine größere Siedlung. Nach Verleihung von erweiterten Privilegien im März 1709 durch Graf Friedrich Moritz von Bentheim-Tecklenburg entwickelte sich Limburg mit den Vororten Oege und Nahmer zum Zentralort der Grafschaft. Zu dieser Zeit übte vermutlich zum ersten Mal ein Nachtwächter unter dem Schlossberg sein Amt aus. Es ist denkbar, dass die damals erworbene bzw. angefertigte Hellebarde als eine Art Amtszeichen von einem Nachtwächter an seinen Nachfolger weitergereicht wurde. Das wäre eine Erklärung für die über einen langen Zeitraum immer wieder vorgenommene Bearbeitung.
Die Tätigkeit als Nachtwächter entstand in spätmittelalterlichen Städten. Das kommunale Amt war in der Regel mit weiteren Aufgaben im Vollzugs- und Botendienst verbunden. Ab Einbruch der Dunkelheit bis zum Tagesanbruch sollte der Nachtwächter auf den Straßen für Sicherheit und Ordnung sorgen. Dazu gehörte auch der Brandschutz. Mit seiner hakenförmigen Hellebarde konnte er brennende Teile entfernen; das mitgeführte Feuerhorn diente zur Alarmierung.
Auch in anderen Hagener Stadtteilen gab es Nachtwächter. Aus Mai 1874 liegen „Instruktionen für den Gemeindeboten und Nachtwächter“ der Landgemeinde Eilpe vor. Sie legen fest, der Amtsinhaber Caspar Cyr[..]y habe „den Nachtwächterdienst in der Weise zu verrichten, daß er in der Zeit vom 1. Mai bis 30. September von 11 Abends bis 3 Uhr Morgens, in der Zeit vom 1. Oktober bis 30. April von 10 Uhr Abends bis 4 Uhr Morgens“ tätig sein muss. Der Nachtwächter sollte in der Gemeinde auf einer Strecke vom Stahlwerk Post & Söhne bis zur Brücke bei Delstern patrouillieren. Zu jeder vollen Stunde hatte er ein Hornsignal zu geben. „Dabei hat er für Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit nach Kräften zu sorgen und Verstöße in geeigneter Weise zu erledigen.“ Als Entlohnung erhielt er ein jährliches Gehalt von 150 Talern.
Im 19. Jahrhundert wurden Nachtwächter zunehmend von Privatunternehmen eingesetzt. Heute haben Wachschutzfirmen den Großteil der Aufgaben übernommen. Den klassischen Nachtwächter gibt es jedoch weiterhin – als nostalgisch verklärte, historische Amtsperson bei Stadt- und Schlossführungen. Zur Brauchtums- und Traditionspflege wurden 1987 die „Europäische Nachtwächter- und Türmerzunft“ sowie 2004 die „Deutsche Gilde der Nachtwächter, Türmer und Figuren“ gegründet.

Ralf Blank

Quellen: StadtA Hagen, Best. Hohenlimburg 1, Nr. 24, 130; Best. Hagen 1, Nr. 3872.

Material/Technique

Eisen & Holz / geschmiedet

Measurements

L 38 cm; B 22 cm (Blatt)

Created ...
... When
Was used ...
... When
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Relation to places

Literature

Keywords

Was used
Hohenlimburg
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[Relationship to location]
Limburg
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Map
Created Created
1700 - 1799
Was used Was used
1801 - 1900
1699 1902

Object from: Stadtmuseum Hagen

Das Stadtmuseum Hagen ist seit November 2015 geschlossen. Die Wiedereröffnung wird im April 2021 anlässlich des 275-jährigen Stadtjubiläums ...

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