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Stadtmuseum Hagen [Hagener Stücke]. 111 Objekte aus dem Stadtmuseum [2017/62]

Als Richtbeil überlieferte Beilklinge

Als Richtbeil überlieferte Beilklinge (Stadtmuseum Hagen RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Hagen / Heike Wippermann (RR-R)

Description

Der Überlieferung nach stammt die Beilklinge aus dem Familienbesitz des letzten Scharfrichters in der Grafschaft Limburg. Das Amt wurde 1778 letztmalig belegbar an Johann Heinrich Schmidt aus dem märkischen Amt Hörde vergeben. 1807 musste für eine Hinrichtung ein auswärtiger Scharfrichter verpflichtet werden, da es in der Grafschaft keinen Amtsinhaber mehr gab. Die Beilklinge ist wegen der Überlieferung und ihrer musealen Rezeption interessant. Seit über 90 Jahren wird die Beilklinge als Richtbeil ausgestellt – 1927 bis 2002 im früheren Museum Hohenlimburg und 2005 bis 2015 im Stadtmuseum Hagen.
Die rostnarbige Klinge zeigt einen punzierten Rahmen, zwei runde Meisterzeichen aus geviertelten Kreisen mit Kreuz und Punkten, die Jahreszahl „1625“ und die Buchstaben „MSH“. Eine abgesetzte, lange und gerade verlaufende Schneide ist auch bei Richtbeilen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert vorhanden. Von ihrer Form und Größe stimmt die Klinge eher mit frühneuzeitlichen Breitbeilen zur Holzbearbeitung überein. Wie Richtbeile tragen sie ebenfalls Herstellerzeichen, Verzierungen und Marken. Insgesamt spricht in diesem Fall mehr für ein handwerkliches Werkzeug als für das Richtbeil eines Scharfrichters. Zu welchem Zweck die Beilklinge letztlich wirklich benutzt wurde, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit klären.
Richtbeile wurden nicht nur zum Enthaupten benutzt. Das frühneuzeitliche Rechtssystem kannte eine Vielzahl von Körperstrafen. Die „Peinliche Halsgerichts-Ordnung Kaiser Karls V. (Carolina)“ schrieb 1532 neben dem Enthaupten unter anderem auch das Vierteilen, das Entfernen von Gliedmaßen und das Rädern vor. Eine Enthauptung mit dem Richtschwert, letztmalig 1807 in der Grafschaft Limburg nachgewiesen, galt als „ehrenvolle“ Todesstrafe. Das Handbeil hingegen kam beim einfachen Köpfen, Vierteilen, Abschlagen von Körperteilen und Rädern zum Einsatz.
Im Raum Hagen gab es gleich mehrere Richtplätze. Heute ist nur noch der „Reher Galgen“ bei Hohenlimburg im Gelände erkennbar. Auf der Boeler Heide – noch um 1900 ist im Bereich der „Hamecke“ die Flurbezeichnung „Galgenschlenke“ belegt – lag im 16. Jahrhundert eine Richtstätte für das märkische Amt Wetter. An der seit alter Zeit viel genutzten „Kölnischen Straße“ am Hasperbruch befand sich im 17. und 18. Jahrhundert die letzte nachgewiesene Richtstätte für das märkische Amt Wetter.
Im Juli 1851 trat in Preußen ein neues Strafgesetz in Kraft. Hinrichtungen durften nur innerhalb der Gefängnismauern und durch Enthauptung mit dem Handbeil vollzogen werden. Die im Bezirk des Stadt- und Kreisgerichts Hagen angesetzten Hinrichtungen wurden fortan im Gerichtsgefängnis in der damaligen Marienstraße, seit 1929 Prentzelstraße, vollzogen. Der Richtplatz lag im hinteren Hof an der Mauer zum Gebäude des Amtsgerichts. Vor einer Hinrichtung wurde dort ein Holzgerüst für die Richtbank mit dem Block errichtet. Bis 1913 wurden an dieser Stelle mindesten acht Personen enthauptet. 1934 fand eine letzte Hinrichtung der Justiz im Hof des neuen Gerichtsgefängnisses in der Heinitzstraße statt – durch das Handbeil.

Stephanie Marra

Material/Technique

Stahl / geschmiedet

Measurements

L 27 cm (Schneide); B 35 cm

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Was used ...
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Literature

Keywords

Object from: Stadtmuseum Hagen

Das Stadtmuseum Hagen ist seit November 2015 geschlossen. Die Wiedereröffnung wird im April 2021 anlässlich des 275-jährigen Stadtjubiläums ...

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[Last update: 2019/07/01]

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