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Stadtmuseum Hagen [Hagener Stücke]. 111 Objekte aus dem Stadtmuseum [2017/92]

Zeichnung: Frauen im Rüstungsbetrieb 1916

Zeichnung: Frauen im Rüstungsbetrieb 1916 (Stadtmuseum Hagen RR-R)
Herkunft/Rechte: Stadtmuseum Hagen / Heike Wippermann (RR-R)

Beschreibung

Nach dem Tod des Grafikers und Zeichners Carl Grimm (*1872, †1936) erhielt das Hagener Museum seinen künstlerischen Nachlass. Der aus dem ostpreußischen Memel stammende, als Schlosser ausgebildete Grimm hatte sich 1909 in Hagen niedergelassen. Laut seinen Biografen sei er nach der Militärzeit 1901 in Berlin als Tapeten- und Entwurfszeichner, seit 1905 in Barmen als Glasmaler tätig gewesen. In Hagen arbeitete Grimm als Reklamemaler. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde der damals 42-Jährige in einem kleinen Industriebetrieb für Granaten und Zünder als Werksleiter beschäftigt.
1916 erstellte Grimm unter dem Titel „Werktätige Hagener Volksgenossinnen“ eine Serie von Federzeichnungen über den Fraueneinsatz in der Rüstungsindustrie. Zu dieser Serie gehört auch die abgebildete Zeichnung. Zahlreiche seiner zwischen 1916 und 1921 entstandenen Werke illustrieren das triste Alltagsleben und die Not der Bevölkerung an der „Heimatfront“ und in der Nachkriegszeit. So skizzierte Grimm 1921 mit wenigen Strichen eine verhärmte Frau inmitten ihrer desolaten Wohnung.
Die Mobilisierung von Arbeitskräften für die Rüstungsindustrie entwickelte sich im Ersten Weltkrieg zu einer umfassenden Maßnahme. Durch das Hilfsdienstgesetz 1916 wurde auch die Beschäftigung von weiblichen Arbeitskräften in der Rüstungsindustrie die Regel. Unter Beteiligung der Frauenvereine bildete sich Anfang 1917 ein Nationaler Ausschuss für Frauenarbeit im Kriege. Hagen erhielt Anfang 1917 eine Frauenarbeitsnebenstelle. Sie koordinierte im Stadt- und Landkreis die Betreuung und den Arbeitseinsatz.
Ab 1925 war Carl Grimm als Zeichner und Karikaturist für das Westfälische Tageblatt in Hagen tätig. Dort entfaltete er eine umfangreiche Aktivität. Auf einer mit „Die Welt zum Lachen“ betitelten samstäglichen Sonderseite präsentierten die Zeichnungen Alltägliches und politische Ereignisse. Der Chefredakteur Josef Thiebes gehörte der rechtsgerichteten Deutschen Volkspartei (DVP) an. Er lenkte die Karikaturen Grimms in eine bestimmte politische Richtung. Die letzten Karikaturen aus Grimms Feder entstanden 1933/34. Sie waren im Umgang mit den neuen nationalsozialistischen Stadtoberen eher ambivalent als kritisch.
Das Westfälische Tageblatt wurde im Juni 1934 eingestellt. Grimm war arbeitslos und musste bis zu seinem Tod von der Wohlfahrt unterstützt werden. 1935/36 erstellte Grimm eine Serie von Hagener Stadtansichten. Sie brachten ihm den Ruf eines „Heimatzeichners“ ein. Nach seinem Tod wurde der stadtbekannte Zeichner als ein „begeisterter Kämpfer für den Nationalsozialismus“ vereinnahmt, der als Künstler die „Auswüchse der Entartung“ gegeißelt habe. Doch weder diese Vereinnahmung noch die Nachkriegsdeutung als Zeichner der politisch Rechten ist stimmig und wird seinem Werk gerecht.

Ralf Blank

Material/Technik

Tusche & Bleistift & Papier

Maße

H 25,5 cm; B 20,8 cm

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Literatur

Schlagworte

Objekt aus: Stadtmuseum Hagen

Das Stadtmuseum Hagen ist seit November 2015 geschlossen. Die Wiedereröffnung wird im April 2021 anlässlich des 275-jährigen Stadtjubiläums ...

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