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OrtGroße Marienkirche (Lippstadt )x
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Heft: Predigt am Neujahrstage 1807 von Schliepstein (Große Marienkirche Lippstadt)

Stadtmuseum Lippstadt Kirchengeschichte Predigten Schriften 2. Stadt- und Regionalgeschichte [1114]
Predigt : Über das gegenwärtige traurige Schicksal Deutschlands (Stadtmuseum Lippstadt RR-F)
Herkunft/Rechte: Stadtmuseum Lippstadt / Stadtmuseum Lippstadt (RR-F)
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Beschreibung

Heft, Oktavformat, 16 Seiten, Fadenheftung.
Predigt unter dem Titel "Über das gegenwärtige traurige Schicksal Deutschlands an meine Zuhörer und Leser am Neujahrstage 1807", von S. L. A. Schliepstein, gehalten in der Großen Marienkirche in Lippstadt.
Der Rücken ist mit einem stärkerem Papierstreifen überklebt.
Druckvermerk "Lippstadt, gedruckt bei C. F. Lange," "Zum Besten der Armen".

Die Rückseite des Titelblattes ist leer, keine Illustrationen.
Das Papier ist vor allem auf den Außenseiten stark mit Stockflecken durchdrungen, die rechten, unteren Ecken zeigen starke Gebrauchsspuren.

Ende Oktober 1806 waren französische Truppen in Lippstadt einmarschiert. Im Text werden die zu erwartenden Folgen und Konsequenzen folgender Ereignisse des Jahres 1806 thematisiert : u.a. das Ende des heiligen Römischen Reiches, der Krieg gegen Frankreich und der Zusammenbruch des preußischen Staates.
Simon Ludwig August Schliepstein (1758 - 1841), seit 1794 evangelischer Hauptpastor der Marienkirche in Lippstadt predigt über das "große und allgemeine Elend" in Deutschland infolge des verlorenen Krieges. Mit der rhetorische Frage "Ists nicht vernünftig und weise gehandelt, anstatt der Muth- und Hoffnungslosigkeit sich hinzugeben, über die Ursachen unsers traurigen Schicksals ernstlich nachzudenken, die Vortheile desselben zu beherzigen, und dass, was Vernunft, Erfahrung und Geschichte uns zu unserer Beruhigung lehren, aufzusuchen und zu benutzen? (S. 5)
Es folgt eine Predigt, die der spätaufklärerischen Idee der "Besserung" verpflichtet ist. Gesellschaftlich würde das eine Abkehr von den Vorrechten des Adels zur Folge haben.
Als Ursachen für die Niederlage benennt er:
1. Abnahme der Tugend im Volk, gemeint sind "Sitten, Gemeingeist, edle Vaterlandsliebe, Treue und Redlichkeit, nebst Achtung für Sittlichkeit, Tugend und Religion"
2. ein zu schwacher Bund zwischen den Staaten Deutschlands
3. zu schlecht vorbereitete "Krieger", die "mit den neuesten Fortschritten in der Kriegskunst nicht gehörig bekannt" waren (S. 6)
4. Die Zustände beim Militär (dem Vorteil und Genuss verfallene Vorgesetzte, ihre "sklavische Behandlung" der Untergebenen und dass "dem unadlichen Streiter der Weg zu den Würden, Ehrenstellen und Belohnungen versperret ist" (S. 7)
Auf Seite 8 erscheint der erste und einzige konkrete biblische Bezug (Vergleich: "Hätten Jesus und die Apostel Aufopferung und Tod gescheuet...", aber auch: "Hätten Luther und Gustav Adolf vor dem Tode erbebt... ")
Das "traurige Schicksal" sei demnach Folge "der menschlichen Handlungen". "Alle Trübsale" können aber zum besseren gewendet werden, indem daraus gelernt werde.
Folgende positive Wendungen sieht Schliepstein durch die gemachten Erfahrungen:
1. Es werde "hinfort der Adel der Geburt, oder des Buchstabens für ein Hirngespinnst gelten, und nur der Adel des Verdienstes oder des Geistes von ihnen (den Regenten, d. Verf.) geschätzt werden." (S. 10)
2. Durch eine gemeinschaftliche Not würden auch "in kalten Herzen die Gefühle des Mitleides und Wohwollens aufgeregt und wirksam" ("Selbstveredelung" des Menschen) (S. 10),
"das Band der Menschheit'" werde enger (S. 11), Leiden "erwecken die Menschen aus ihrer Trägheit" (S. 12), stärken ihrer Tugenden
3. "Durch Erschütterungen allgemeiner Noth werden auch ganze Völker aus ihrer weichlichen Unthätigkeit, worein eine lange Dauer des Friedens und Wohlstandes sie versenkt hatte, geweckt" (S. 13), Vorurteile werden abgelegt, schädliche Meinungen verworfen und "die Verderbnisse mancher Regierungsformen werden durch allgemeine Gährungen weggeschaft" (S. 14)
4. Konkret zur Fremdherrschaft heißt es zum Ende der Predigt, wir "werden nach dem Rathe eines christlichen Weisen der Obrigkeit, die Gewalt über uns hat, schuldigen Gehorsam leisten, ihre Verfügungen als Gottes Ordnung (zur Übung und Vervollkommnung unserer edlern Kräfte) betrachten, uns denselben willig unterwerfen, und sie dadurch bewegen, uns nicht bloß als Unterwürfige, sondern als freie edle Menschen zu behandeln, und die Glückseligkeit uns genißen zu lassen, die sie uns verheißen hat." (S. 15/16)

Material/Technik

Papier, bedruckt

Maße

10,2 x 16,5 cm

Literatur

  • Bauks, Friedrich Wilhelm (1980): Die evangelischen Pfarrer in Westfalen von der Reformationszeit bis 1945, in : Beiträge zur westfälischen Kirchengeschichte Band 4. Bielefeld, Seite 438
  • Klockow, Helmut (1964): Stadt Lippe - Lippstadt. Lippstadt, Seite 212
Verfasst Verfasst
1807
Simon Ludwig August Schliepstein
Lippstadt
Gedruckt Gedruckt
1806
C. F. Lange ( Druckerei )
Lippstadt
[Zeitbezug] [Zeitbezug]
1807
1805 1809
Stadtmuseum Lippstadt

Objekt aus: Stadtmuseum Lippstadt

Das Stadtmuseum Lippstadt ist in einem ehemaligen Patrizierhaus im Zentrum der Altstadt untergebracht. Sein jetziges Aussehen erhielt das Haus im 18....

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